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Anstöße gegen das Behagen in der Design Erziehung
Tomàs Maldonado, ulm 17/18, 1966

erstellt am: 11.06.2017 | von: englich | Kategorie(n): Texte zum Design

 

Dieser Vortrag wurde am 5. Januar 1966 in der School of Architecture an der Princeton University gehalten.

Solange das Design als eine Kunst zu Diensten der Industrie gefeiert wurde, als eine Tätigkeit, darauf gerichtet, Industrieprodukte zu verschönern, war die Designerziehung – wie es R. B. Haydon 1837 definierte – nicht mehr als eine Ausbildung für die “niedersten Bereiche der Kunst”. Diese typisch viktorianische Auffassung vom Design hat aus verschiedenen Gründen ihre Aktualität verloren. Es handelt sich aber dabei nicht nur um eine Auffassung, sondern auch – und in erster Linie – um ein pädagogisches System, um eine bestimmte akademische Struktur also, in der sich diese Auffassung ausprägte. Die gegenwärtige Krise in der Desinerziehung wird dadurch bedingt, daß das viktorianische pädagogische System die viktorianische Auffassung überlebt hat. Die Doktrin ist verloschen, nicht aber die Struktur. Bis heutzutage vermochte sie nichts zu erschüttern. Ihr Kern blieb bis heute unberührt.

Die beiden folgenreichen Experimente der zwanziger Jahre – das Bauhaus in Deutschland und das Wchutemas in Rußland – brachten es nicht fertig, sich von den institutionellen Überresten des 19. Jahrhunderts zu befreien. Der revolutionäre Beitrag des Bauhauses ist in der Designerziehung zu sehen – wie sie besonders von Gropius und Meyer formuliert wurde – und weiterhin der Didaktik des Grundkurses, besonders wie er von Albers und Moholy- Nagy entwickelt wurde. Man darf diesen Beitrag nicht in den akademischen Strukturen suchen. In dieser Hinsicht nämlich war das Bauhaus eine relativ konservative Schule; und das gleiche kann man von Wchutemas behaupten. Die ersten Mitglieder dieser Schule – Altman, Tatlin und Malewitsch – forderten eine radikale Änderung der vorhandenen akademischen Strukturen. Sie nannten das: “die Säuberung der Augiasställe”.

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Anstösse, Maldonado, 1966

aus: „Ulmer Texte“. Köln International School of Design.
Projekt unter der Leitung von Prof. Gui Bonsiepe. 

 

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