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Arabesken der Rationalität
Anmerkungen zur Methodologie des Design
Gui Bonsiepe, ulm 19/20, 1967

erstellt am: 11.06.2017 | von: englich | Kategorie(n): Texte zum Design

 

Die Positur der Designmethodologie

„Méthode. – Ne sert à rien“

Herzlich frivol kennzeichnete einst George Nelson das Industrial Design als einen Beruf, der zu einem Mythos geworden sei, bevor er eine Reife erlangt habe. Ähnlich verhält es sich mit der Designmethodologie, mit der Lehre von den Entwurfs- oder Gestaltungsverfahren. Dispute über Designmethoden mögen der Mehrzahl der Gestalter als eine der Praxis fernstehende Spielerei erscheinen, oder als ein ärgerlich stimmender Versuch zu einer Bevormundung von seiten der Designmethodologen, angesichts dessen es sich empfiehlt, schleunigst zur Tagesordnung überzugehen. Diese ist hart und voller Nöte. Wie sie zu beheben seien, darüber gibt die Methodologie keine Auskunft. Sie kann es auch nicht. Eher spricht sie von Designparametern, Variabeln, rationalen Entscheidungskriterien, Optimalisierung, systematischen Verfahren der Problemlösung, Selektion relevanter Daten, Konstriktionen – klirrende Worte also, gepanzert mit dem Harnisch einer Wissenschaftlichkeit.

Wer bislang gestaltet hat, ohne von diesen Dingen zu wissen und ohne ihnen eine weitereichende Bedeutung beizumessen, mag Vorbehalte gegen sie hegen, vielleicht sogar simple Schaumschlägerei darin vermuten. Er mag eine Analogie zur Sprache anführen. So wie man eine Sprache richtig spräche, ohne ihre Grammatik explizit zu formulieren, so könne man auch erfolgreich gestalten, ohne sich auf eine entsprechende Methodologie berufen zu müssen. Doch die Analogie trägt nicht weit. Der vorgrammatische Zustand lässt sich, seit nun einmal die Grammatik erarbeitet worden ist, nicht mehr zurückgewinnen. Er ist objektiv überholt genauso wie das Design, das sich von methodologischer Infektion frei dünkt.

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Design Methodologie, Bonsiepe, 1967

aus: „Ulmer Texte“. Köln International School of Design.
Projekt unter der Leitung von Prof. Gui Bonsiepe. 

 

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